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Wenn man sich als Nachbar sieht

22. November 2015 Kommentare : 0

Und plötzlich greifen Syrer zu

Königstein. Heidi Kuhn (64) trägt bereits elf Stents wegen 

ihrer Herzprobleme in sich, ihr Lebensgefährte Michael Haas (50) 

hat die dritte schwerwiegende Bandscheiben-Operation 

hinter sich. Dann werden zu Wochenbeginn zehn Ster

Brennholz abgekippt - viel körperliche Arbeit für das 

gesundheitlich angeschlagene Paar in Königstein. 

Plötzlich kommen sieben junge Syrer. 

Noch immer beeindruckt sind Heidi Kuhn und Michael Haas 

von der plötzlich aufgetretenen Hilfsbereitschaft, die sie in 

dieser Woche von sieben Syrern erfahren durften. 

Mit dem Abstand einiger Tage können es Heidi Kuhn und 

Michael Haas noch immer nicht ganz fassen, was ihnen 

nach einem leidgeprüften Jahr nun widerfahren ist. 

Und dass beide gegenüber Flüchtlingen eine eher 

skeptische Meinung hatten, damit halten sie nicht hinter 

dem Berg. Mit dem Tag der Holzlieferung verwandelt sich 

ihr Bild ins glatte Gegenteil. Stunden über Stunden hätte 

es gedauert, ein Tag vielleicht gar nicht gereicht, bis das 

Paar die Scheite in die Garage geräumt und aufgeschichtet 

hätte. Dann radeln völlig unvermittelt vier Männer daher. 

Syrer, wie sich herausstellt. Untergebracht im nahen 

Ex-Golf-Hotel in Namsreuth, heute ein Flüchtlingsquartier. 

Die Männer halten, bieten Hilfe an. Rasch wandert das 

Heizmaterial von einer Hand zur anderen, langsam wächst 

der Holzstoß in der Garage, der Haufen draußen wird kleiner. 

Noch fixer geht's, als wenig später drei Landsleute der Flüchtlinge

hinzukommen, die zu Fuß unterwegs sind. 

"Einer hat seine Freunde immer wieder angetrieben, noch 

schneller zu arbeiten", erinnert sich Heidi Kuhn. Bald ist die 

gesamte Fuhre verräumt. Da greifen die Burschen noch zum

Besen und beseitigen die verbliebenen Reste. Alles picobello sauber: 

"So etwas habe ich noch nicht erlebt", macht die bei ZF in 

Auerbach tätige Frau aus ihrem Staunen keinen Hehl. 

Als sie und ihr Lebensfährte sich dankbar zeigen und den 

Helfern 50 Euro aushändigen wollen, kommt die nächste 

Überraschung: "Nix money, nix money, kein Geld", schallt

es siebenfach wie aus einem Mund. Auch der Versuch, sich 

mit Kleidung für die Unterstützung zu revanchieren, scheitert.

"Deshalb wollte ich den Fußgängern ein Rad schenken", 

schildert Heidi Kuhn den weiteren Hergang. Doch auch das 

lehnen die Asylbewerber ab - und verabschieden sich freundlich. 

Nahezu fassungslos sehen Heidi Kuhn und der bei ZF in Nürnberg

arbeitende Michael Haas sich in die Augen, sie gehen in die Küche,

setzen sich: "Dann haben wir regelrecht geheult", bekennt die Frau.

Geweint angesichts der erlebten Hilfsbereitschaft - von Menschen, 

die dafür nichts nehmen wollen, sondern dem für sie bis dahin völlig

fremden Paar aus der Hauptstraße zu ihrem Motiv stets nur 

geantwortet haben: "Wir sind alle Nachbarn und Nachbarn 

müssen sich doch helfen." 

Für die Frau aber steht fest, wenn sie im Frühjahr in den 

Ruhestand tritt, "werde ich mich um Flüchtlinge kümmern".

 

(Gelesen bei Oberpfalz.net.de)



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